Seitenanfang

Dienstag, 06. Januar 2015

Von Rückschlägen und Sternstunden

25. Jazzfestival Münster: Reise durch 36 Jahre Festivalgeschichte

zoom
Rückblende auf das 7. Festival 1985: Vor 30 Jahren versammelten sich die Jazzfreunde im Preußenstadion: Foto: Jazzfestival Münster.

Münster (SMS) Schlossgarten, Preußenstadion, Jovel, Halle Münsterland, Theater Münster - 36 Jahre Internationales Jazzfestival Münster, das ist auch eine Reise durch die jüngere Stadtgeschichte. Die 25. Ausgabe steigt vom 9. bis 11. Januar vor ausverkauften Rängen im Theater Münster. Anlässlich des Jubiläums an dieser Stelle eine kleine Reise durch die Festivalgeschichte mit musikalischen Sternstunden und manchem finanziellen Fiasko.

Die frühen Jahre

Die Geburtsstunde des Festivals schlug im Herbst 1978 beim AStA der Universität Münster. Ein neues Festival sollte aus der Taufe gehoben werden, die Musikrichtung war zunächst noch unklar, aber „so was in Richtung Jazz“ sollte es schon sein. Das Programm im Sommer 1979 und die besondere Atmosphäre vor der Konzertmuschel im Schlossgarten sollten dann für eine erfolgreiche Premiere und den Beginn einer langen Festivalgeschichte sorgen.

Doch Rückschläge ließen nicht lange auf sich warten: Für das zweite Festival, schon ein Jahr später, stand der Schlossgarten nicht mehr zur Verfügung. Die Ersatzlocation an den münsterschen Aaseewiesen entwickelte sich zum logistischen Albtraum. Ein wirtschaftliches Defizit war die Folge, wenngleich die künstlerische Seite des Festivals erneut erfolgreich war und der WDR erstmals als Partner die Konzerte mitschnitt und übertrug - und dieses Engagement bis heute fortsetzt. Dass dennoch ein drittes Festival folgte - Schauplatz war das sogar das riesige Preußenstadion - erscheint im Rückblick als nahezu abenteuerlich. Mit rund 5500 Zuschauern geriet es zwar zum bis dahin größten Jazzereignis in Münster, doch im Endergebnis lag das finanzielle Defizit im fünfstelligen Bereich. An ein Weitermachen war ohne die Unterstützung der Stadt Münster nicht zu denken.

Die Jazzclub-Ära

Für die vierte Ausgabe 1982 sprang der kleine Jazzclub Münster e.V. in die Bresche. Das Budget betrug nur einen Bruchteil der Vorjahre, das Open-Air-Risiko wurde zugunsten des Jovel mit seinem damaligen Standort Weseler Straße aufgegeben, das Programm regionaler ausgerichtet. 1984 dann ein neues Konzept: eine Woche lang gab es jeden Abend an einem anderen Ort in Münster Jazzkonzerte. Knappe Mittel ließen allerdings keine großen Namen zu, die Zuschauerresonanz hielt sich in Grenzen, der Jazzclub ging pleite, die Zukunft des Festivals war akut gefährdet.

In jenem Jahr lernten sich der damalige AStA-Kulturreferent Fritz Schmücker und Hartmut Schmitz vom Jazzclub Münster e.V. kennen. Beide übernahmen die Planung für das Festival 1985. Im Team mit Frank Schraven, dem Organisator der ersten Festivals, und Rainer Holtmann vom AStA-Kulturreferat wagte man sich an ein neuerliches Jazzfest im Preußenstadion. Musikalisch feierte es Triumphe, doch einmal mehr machten widrige Wetterbedingungen einen Strich durch die Rechnung. Darüber hinaus beförderte der Betrug durch ein Management das Jazzfestival beinahe ins endgültige Aus. Doch, nicht zuletzt beeindruckt durch das große, bundesweite Medienecho, ließ sich die Stadt Münster überzeugen, die Veranstalterrolle mit finanzieller Beteiligung und Risikoabsicherung zu übernehmen.

Jazz in der Halle

1986 stieg die Halle Münsterland als Spielort und Mitveranstalterin ein. Hartmut Schmitz und Fritz Schmücker blieben weiterhin in der Verantwortung für Programm und Organisation. Die acht Hallen-Jazzfestivals bis zum Jahr 1994 (1992 fiel wegen Hallenumbau aus) boten ein fulminantes Line-Up mit Auftritten von Ornette Coleman, Don Cherry, John McLaughlin, Carla Bley, Charlie Haden und vielen weiteren Größen. Finanziell nach wie vor nicht abgesichert, erreichte das Festival auf der anderen Seite dank Superstars wie Chick Corea bis zu 2500 Zuschauer pro Veranstaltungstag. 1994 wurde mit der Einführung des Westfalen-Jazz-Preises, der bis heute fester Programmbestandteil ist, auch ein Spot auf die Region gerichtet.

Nach dem 1994er-Festival kriselte es wirtschaftlich erneut. Es kam zu Auseinandersetzungen über die programmatische Ausrichtung. Schmücker und Schmitz lehnten die Forderung des Hallenmanagements ab, das Festival kommerzieller auszurichten. Beide vertraten die Überzeugung, dass die Zukunft des Festivals in seiner programmatischen Unterscheidbarkeit jenseits weit verbreiteter Tournee-Veranstaltungen liegt.

Neuerfindung des Festivals

zoom
Ist Teil der langen Festivalgeschichte: Der rote Flügel. Foto: Ansgar Bolle. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.

1997 dann die größte Zäsur in der Festivalgeschichte: Das Kulturamt der Stadt Münster übernimmt das Festival als alleiniger Veranstalter, es wechselt vom Sommer auf den Jahresanfang und darüber hinaus in den zweijährigen Biennale-Rhythmus, und die Städtischen Bühnen sind der neue Austragungsort. Mit diesen Änderungen beginnt die beständigste und wohl auch erfolgreichste Phase in der Geschichte des Festivals. Seit 1999 gestaltet und verantwortet Fritz Schmücker als alleiniger künstlerische Leiter das Programm.

Das Publikum nahm den Kurs der inzwischen charakteristischen Mischung aus dem „Who is Who des unbekannten Jazz“ und vertrauten Namen begeistert auf und ging bereitwillig auf Entdeckungsreise in die festivaltypische „Ästhetik der Kontraste“. Mit dem Wechsel ins Theater heißt es immer „ausverkauft“, 2015 sogar in Rekordzeit.

Wahre musikalische Sternstunden sind im Theater Münster über die Bühne(n) gegangen - von der faszinierenden Soloeinlage einer Greetje Bijma über die mit explosiver Musizierfreude aufspielende 40-köpfige Banda aus dem süditalienischen Ruvo di Puglia bis zur mitreißenden Michael-Jackson-Hommage „Rava on the Dance Floor“ gab es bezaubernde, herausfordernde, aufwühlende Beiträge.

Auch die (ab 2004) „Jazz Inbetween“-Abende erhielten stürmischen Publikumszuspruch und boten aufstrebenden Stars der jungen Jazzszene ein beeindruckendes Podium, darunter dem Pianisten Michael Wollny oder arrivierten Ensembles wie dem Arild Andersen Quintet (www.jazzfestival-muenster.de).

Zu diesem Artikel können wir Ihnen folgendes Bildmaterial anbieten:

Das Projekt „Banda & Jazz“ um Pino Minafra verabschiedete das Jazzfestival 2005 mit einer überwältigenden Bühnenschau. Foto: Ansgar Bolle, Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.

Printversion downloaden

Bildgröße: 4896 x 3672 px

Ist Teil der langen Festivalgeschichte: Der rote Flügel. Foto: Ansgar Bolle. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.

Printversion downloaden

Bildgröße: 4288 x 2848 px

Rückblende auf das 7. Festival 1985: Vor 30 Jahren versammelten sich die Jazzfreunde im Preußenstadion: Foto: Jazzfestival Münster. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.

Printversion downloaden

Bildgröße: 1526 x 1030 px

Die Vorschauversion der Bilder speichern Sie mit einem Klick auf Ihre rechte Maustaste ("Datei/Ziel/Grafik speichern unter"). Eine hochaufgelöste Version laden Sie mit einem Klick auf "Printversion downloaden" (möglich ist ebenfalls ein Klick auf diesen Link mit der rechten Maustaste -> "Ziel speichern unter").

Stichworte: Diesem Artikel sind folgende Tags zugeordnet. Ähnliche Themen finden Sie nach einem Klick.

Pressekontakt

Sabine Müller
Tel.: 0049 (0)251 492-4109
Fax: 0049 (0)251 4927752
MuellerSabine@stadt-muenster.de

Ein Festival der Partner: