17.11.2004
Blick zurück und nach vorn: 20. Internationales Jazzfestival Münster
Zur Jubiläumsausgabe viele vertraute Gesichter, viel Neues und ein musikalisches Großfeuerwerk
(SMS) Das Internationale Jazzfestival Münster, veranstaltet von der Stadt Münster gemeinsam mit dem WDR Köln und weiteren engagierten Förderern, feiert Jubiläum: Vom 7. bis 9. Januar 2005 geht die 20. Ausgabe des renommierten Jazzereignisses über die (Städtischen) Bühnen.
Und Fritz Schmücker, der 2005 auch zwanzig Jahre als künstlerischer
Leiter des Festivals in der Verantwortung steht, hat sich zu diesem
Anlass Vielversprechendes ausgedacht.
Zwei Leitlinien bestimmen im Jubiläumsjahr sein Programmkonzept:
Einladung von bekannten Musikerpersönlichkeiten, welche die bewegte
Festivalgeschichte mit geprägt haben und Vorstellung von europäischen,
hierzulande oft noch wenig bekannten Topmusikern, die teils mit
Ensembles anreisen, die in Münster ihre Deutschland- oder sogar
Weltpremiere feiern.
Blick zurück nach vorn: Musiker der ersten Festivalstunde
Wie es schon gute Tradition ist, steht kreative Musik aus Europa wieder
im absoluten Zentrum des Festivalgeschehens. Und doch gehört zum Thema
"Rückblick" auch ein amerikanischer Jazzheroe, der mit eindrucksvollen
Konzerten - allesamt in unterschiedlichen Besetzungen - zu den
Höhepunkten der Festival-Ausgaben eins, zwei, drei, neun und dreizehn
gehörte: Bennie Wallace. Der Tenorsaxophonist - soeben in Berlin mit
einem Coleman-Hawkins-Projekt gefeiert - reist mit einem neuen Quartett
an, das er eigens für Münster zusammengestellt hat. Mit dabei: Donald
Vega (Piano), Danton Boller (Bass) und sein ewiger Wegbegleiter Alvin
Queen am Schlagzeug.
Auch ein Mann der ersten Festivalstunde ist der deutsche Pianist
Joachim Kühn, der im Verlaufe der Festivalgeschichte ebenfalls in
verschiedensten Zusammenstellungen Erfolge feierte. Sein Quintett ist
speziell für Münster erdacht. Eine Formation mit u. a. mit dem
Bass-Klarinettisten Rudi Mahall und dem Bassisten Dieter Ilg, dessen
internationale Karriere 1989 begann, als er beim 9. Jazzfestival
Münster spontan für den erkrankten US-Amerikaner Marc Johnson
einsprang. Zu den Mitmusikern seines Debüts gehörte damals kein
geringerer als Bennie Wallace.
Blick zurück nach vorn: Grande Finale von europäischen Jazzgrößen und süditalienischer Banda
Das Aushängeschild des holländischen Jazz, Willem Breuker, setzte
mehrfach den krönenden Schlusspunkt in der münsterschen
Festivalgeschichte, wiederholt mit einem der bekanntesten und ältesten
Ensembles der gesamten Jazzwelt, dem Kollektief. Auch beim Jubiläum
bestreitet er das Finale am Sonntag, doch diesmal als Solist in einem
Großprojekt, in dem er einer unter vielen Jazzgrößen ist und dessen
musikalischer Ausgangspunkt in Süditalien liegt: "Banda and Jazz" - so
lautet die Überschrift dieses musikalischen Großfeuerwerks, dessen
Mittelpunkt ein aus der Nähe von Bari anreisendes traditionelles
italienisches Blasorchester bildet, die vierzigköpfige "Banda Cittá
Ruvo Di Puglia".
Der ebenfalls aus der kleinen Gemeinde Ruvo di Puglia stammende
bekannte Jazztrompeter Pino Minafra (in Münster 1999 erfolgreich mit
dem Italian Instabile Orchestra zu Gast) bringt das Orchester mit, das
auf weitere Solisten trifft, die in der jüngeren Festivalgeschichte mit
anderen Ensembles Highlights waren: Neben Minafra kommen Gianluigi
Trovesi, Michel Godard, Lucilla Galeazzi, Antonello Salis und eben
Willem Breuker. Schon diese Besetzungsliste, dazu der riesige
Klangkörper - mit 45 Musikern ist es das größte internationale
Ensemble, das jemals beim Festival zu Gast war - garantieren einen
fulminanten Abschluss des Jubiläumsfestivals. Lucilla Galeazzi und
Michel Godard geben zudem am Eröffnungstag im Trio zusammen mit dem
Rabih Abou Kahlil-Saxophonisten Gavino Murgia eine Weltpremiere.
Blick zurück nach vorn: Deutsche Begegnungen
Zu den Musikern, die Festivalgeschichte geschrieben haben, gehört der
Posaunist Conny Bauer, der als Aushängeschild des früheren DDR-Jazz mit
unterschiedlichen Besetzungen nachdrückliche Akzente gesetzt hat. Hier
tritt er Samstag mit einem der herausragendsten jungen Posaunisten der
europäischen Jazzlandschaft auf, Nils Wogram, der beim letzten Festival
mit Lucas Nigglis Big Zoom überzeugte.
Ein Bläserensemble mit ähnlichem Hintergrund ist das Clarinet Trio, das
wie das Posaunen Duo im Kleinen Haus zu hören sein wird. Sowohl Gebhard
Ullmann als auch Jürgen Kupke waren schon in Münster zu Gast, Letzterer
unter anderem im legendären Jazzorchester der DDR unter der Leitung von
Conny Bauer.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Geballte Saxophonkraft aus Osteuropa
Jazz aus Osteuropa war vor allem in den 80er- und den beginnenden
90er-Jahren ein Themenschwerpunkt des münsterschen Jazzfestivals. Viele
Musikerinnen und Musiker feierten in Münster ihre Westpremieren.
Stellvertretend für dieses Thema gibt das ungarische Del-Alföldi
Saxophone Quintet am Sonntag sein Debüt in Münster - Balkan-Sounds mit
drei Saxophonen und Rhythmusgruppe am zweiten Festivaltag im Großen
Haus.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Zwei traditionell geprägte Stimmen aus Südeuropa und ein Vokalwunder aus Berlin
Neben der Italienerin Lucilla Galeazzi sind zwei weitere herausragende
Stimmen im Programm. Da ist zum einen die griechische Vokalistin Savina
Yannatou, die mit ihrer "Primavera en Salonico" den Schlusspunkt am
Samstag setzt. Die Fachpresse überbietet sich mit Superlativen, wie
"Mediterranes Sangeswunder" und "Griechische Göttin des Gesangs". Ihre
Musik verarbeitet die traditionellen Wurzeln Griechenlands in
aufregender, experimenteller Weise - Weltmusik ohne Attitüde und
volkstümliche Schnörkel. 2003 veröffentlichte sie eine von der Kritik
hoch gelobte Aufnahme beim renommierten Jazzlabel ECM.
Ein weiterer Stimmakrobat ist beim Eröffnungskonzert zu hören. Der in
Münster geborene Michael Schiefel gibt mit Thärichens Tentett den
musikalischen Startschuss zum Festivaljubiläum. Die Berliner Gruppe
gehört zu den deutschen Newcomern und ist für ihre Konzerte auf den
Festivals in Frankfurt und Elmau von Kritikern als Entdeckung
euphorisch gelobt worden.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Zwei Piano-Soli und eine Pianistin aus einem Königreich
Mit Bojan Zulfikarpasic und Stefano Bollani sind zwei europäische
Klaviersolisten zu hören. Bojan Z. spielte 2001 als Sideman von Henri
Texier in dessen Azur Quintett. Als Solisten hat Fritz Schmücker ihn
beim renommierten Bath International Music Festival in England für sich
"entdeckt" und sofort für das Festival in Münster vorgemerkt. Er ist
ein eigenwilliger Stilgrenzgänger zwischen europäischer Moderne und
Balkan-getönter Traditionsaufarbeitung. Ganz andere Töne schlägt der
Pianist Stefano Bollani an. Das junge italienische Pianotalent vereint
in seiner Musik scheinbare Gegensätze: Sergej Prokofjew steht neben
Alberto Ginastera, Frank Zappa neben Thelonius Monk, John Lennon neben
Angel Villoldo. Hinzu kommt eine gute Prise Humor: ein Schalk an den
Tasten.
Mit der Belgierin Nathalie Loriers kommt eine weitere Pianistin nach
Münster. Sie tritt in einem Quintett auf, das sie mit ihrem
musikalischen Partner, dem tunesischen Oud-Spieler Yadh Elyes eigens
für das belgische Gaume Jazzfestival geformt hat. "Chemins Croisés"
nannten die Beiden ihr Projekt, zu dem sie auch den italienischen
Saxophonisten Gianluigi Trovesi eingeladen haben. In Münster geben sie
ihre Deutschlandpremiere.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Junge Frische aus dem hohen Norden
Zu den europäischen Newcomern zählt auch das finnische Ilmiliekki
Quartett. Verwurzelt im modernen Mainstream gelingt es den vier jungen
Finnen um den Trompeter Verneri Pohjola, einen ganz eigenen Sound zu
kreiren, der sie zu einem Geheimtipp unter den europäischen
Festivalveranstaltern macht.
Ein ebensolcher Geheimtipp war beim Festival 2001 die norwegische
Gruppe Farmers Market. Nicht nur, dass das münstersche Publikum dem
Bandleader Stian Carstensen spontan ein Geburtstagsständchen sang,
sondern vor allem auch die 60 Popsongs, gespielt in drei Minuten,
dürften nachhaltig in Erinnerung geblieben sein. Der Akkordeonist und
Banjospieler ist diesmal im Duo mit dem englischen Saxophonisten Iain
Ballamy zu hören.
Jazz aus Münster und Wettbewerb Westfalen-Jazz
Von Beginn an hat das Jazzfestival immer auch einen Spot auf Münster
und die Region gerichtet, deren Hauptprotagonisten sich durchaus im
internationalen Kontext sehen bzw. hören lassen können. Das
musikalische Aushängeschild aus Münsters Jazzszene ist zweifelsohne der
Saxophonist Jan Klare, der nicht zuletzt aus diesem Grund häufiger in
immer neuen Kontexten zu hören war. Für das Jubiläum wird er sein Trio
Autofab um Gäste erweitern.
Den Preisträger des Wettbewerbs Westfalen-Jazz, den Jan Klare 2001 mit
seinem Projekt "Sieben" gewonnen hat, gibt es am Festivalsonntag live
zu hören. Eine Fachjury wählt den Sieger 2005 aus allen Ein-sendungen
aus.
Familien-Konzert
Nach den Erfolgen 2001 und 2003 ist auch für die 20. Ausgabe des
Festivals ein Familienprogramm geplant. Der "Schönen und das Biest" und
der "Blaumaus" folgt eine musikalische Matinee für Kinder ab sechs
Jahren. Am Sonntag (9. Januar) um 10.30 Uhr im Kleinen Haus gibt es
eine spannende Mischung aus "Nußknacker-Suite" von Tschaikowski,
gespielt in der jazzigen Ellington-Bearbeitung von 1960, Swing
dargeboten von Kindern für Kinder (Junior Jazz-Connection) und
klassischer Klaviermusik.
Jazz für Nachtschwärmer
Auch wenn auf den Bühnen der letzte Ton an den drei Tagen verklungen
ist, die Musik bleibt. Im Theatercafé setzt dann das Programm für
Nachtschwärmer ein. Geboten werden Live-Musik unter anderem mit der
Köstritzer Jazzband und tanzbare Rhythmen vom Plattenteller.
Engagement der Sponsoren
Nur durch Engagement auf breiter Ebene ist das Internationale
Jazzfestival möglich. Neben der Stadt Münster treten mit dem AStA der
Uni Münster - vor Jahren der eigentliche Begründer des Festivals -
weitere Unterstützer auf. Der WDR Köln (WDR 3) übernimmt den
Konzertmitschnitt für den Hörfunk. Als Sponsoren engagieren sich: das
offizielle Festivalhotel Parkhotel Schloss Hohenfeld,
LVM-Versicherungen, ReiseArt Lufthansa City Center, Köstritzer
Brauerei, M4-Media Werbeagentur, Münstersche Zeitung, Pianohaus Micke
und das Theatercafé. Die Spedition Laarmann ist Träger des Wettbewerbs
Westfalen-Jazz.
Vorverkauf läuft
Wegen der vielen Anfragen hat der Vorverkauf bereits Anfang November an
den Verkaufstellen der Städtischen Bühnen Münster begonnen. Die
Kartenpreise sind nach wie vor sehr moderat und gegenüber dem letzten
Festival nur in den oberen Kategorien leicht erhöht worden. Bei
Mehrfachkarten werden erhebliche Rabatte gewährt, hier gibt es auch
Ermäßigungen für Schüler und Studierende. Sie können in der
preiswertesten Kategorie alle Konzerte (mit Ausnahme des
Kinderkonzertes) wie beim letzten Festival bereits zum Sensationspreis
von 31 Euro genießen.
Weitere Informationen: www.jazzfestival-muenster.de; Festivalbüro im
städtischen Kulturamt, Tel. 02 51 / 66 49 55, Fax 02 51/66 69 28;
E-Mail post@jazzfestival-muenster.de.
Pressefotos zu den einzelnen Meldungen finden Sie hier.
Herausgeber:
Kulturamt der Stadt Münster
48127 Münster
V.i.S.d.P: Fritz Schmücker
Telefon: 02 51/66 49 55
Telefax: 02 51/66 69 28
E-Mail: post@jazzfestival-muenster.de
Internet: www.jazzfestival-muenster.de


