16.11.2006
Fünf Fragen an Fritz Schmücker, künstlerischer Leiter des Internationalen JazzFestivals Münster
"In Erstaunen versetzen und bewegen..."
Fünf Fragen an Fritz Schmücker, den künstlerischen Leiter des Internationalen JazzFestivals Münster
Frage: Vom 5. bis 7. Januar 2007 findet das 21. Internationale JazzFestival Münster in den Städtischen Bühnen Münster statt. In der Fachpresse wird oft davon gesprochen, dass es zu einer international anerkannten Marke geworden ist. Wie sieht diese Marke JazzFestival aus?
Schmücker: Die Handschrift und die Dramaturgie eines Festivalprogramms müssen stimmig sein. Ich möchte immer eine Mischung aus unterschiedlichsten musikalischen Stimmungen bieten. Die Zuschauer sollten emotional berührt werden, es sollen sich leichte Töne mit anspruchsvolleren Klangsprachen abwechseln. Ich habe es schon oft erlebt, dass die Zuschauer durchaus irritiert waren über die etwas sperrigere Musik auf der Bühne, aber während des Zuhörens wurden sie von der Intensität und Qualität der Performance unglaublich gepackt. Und genau darum geht es mir: Interessante musikalische Strömungen aufzuzeigen, die man vielleicht nicht jeden Tag hört, die ungeübte, aber auch geübte Jazzhörer in Erstaunen versetzen und sie bewegen.
Frage: Ist denn auch das Publikum in Münster eine ganz besondere „Marke“?
Schmücker: Das Publikum in Münster hat großes Vertrauen in das Jazzfestival. Dieses Vertrauen ist über Jahre gewachsen. Sehr deutlich hat sich das gezeigt, als wir vor zwei Jahren den Vorverkauf der Karten noch vor der Programmverkündung starteten. Der Vertrauensvorschuss war so groß, dass schon mehr als die Hälfte der Karten über den Ladentisch ging, ohne dass die Zuschauer wussten, wer auf der Bühne stehen würde. Aber auf so einem Erfolg kann man sich natürlich nicht ausruhen. Solch ein eher gewagtes Festivalprogramm vertraut im Gegenzug auch auf ein Publikum, das offen, neugierig und ein bisschen mutig ist. Und das sind die Münsteraner. Veranstalter von anderen Festivals haben mir erklärt, dass ein solches Festival an einem anderen Ort in Deutschland nur sehr schwer diesen großen Erfolg hätte.
Frage: Sie sind seit über 20 Jahren künstlerischer Leiter des Jazzfestivals. Was hat sich im Laufe der Jahre am Festivalcharakter geändert?
Schmücker: Wir hatten früher, als das Festival noch in der Halle Münsterland stattfand, auch die großen US-Stars wie Chick Chorea, Don Cherry oder Ornette Coleman im Programm. Das Festivalkonzept setzt heute, anders als noch in den 80er Jahren, auf einige wenige große Namen, die der Szene bekannt sind, aber vor allem auch auf viel Neues. Und der Erfolg gibt uns Recht. Ich suche nach aktueller Musik, nach neuer Kreativität. Es gibt im Jazz nicht mehr die eine neue große Stilrichtung – wenn es das überhaupt je gegeben hat - sondern viele unterschiedliche Personalstile. Ich nenne das immer „Individualsprachen“. Diesen individuellen Sprachen im Jazz bin ich auf der Spur und stelle sie dem Publikum und der Fachpresse vor. Von den 16 Konzerten, die 2007 zu hören sein werden, sind etwa die Hälfte Deutschlandpremieren. Sogar eine Weltpremiere ist dabei. Es können in Münster also viele Entdeckungen gemacht werden. Das Festival in Münster ist im Laufe der Jahre zu einem „Who is Who“ des unbekannten Jazz geworden. Anders gesagt: Wir spielen seit Jahren in der Fußballbundesliga – mit Europa-Cup-Beteiligung.
Frage: Was gibt es denn beim Jazzfestival 2007 zu entdecken?
Schmücker: Nach einigen Jahren mit vielen erstklassigen Musikern aus südeuropäischen Ländern vor allem mit viel italienischer Beteiligung, ich erinnere nur an Gianluigi Trovesi, die Banda usw. richten wir den Blick 2007 gen Norden. Der Schwerpunkt liegt auf Schottland, Skandinavien und Nordamerika. Aus Schottland reisen das David Milligan Trio und das Trio AAB an, beide Konzerte werden Deutschlandpremieren sein. Für Wirbel sorgen bestimmt „Atomic“, pure Energie aus Norwegen und Schweden, und auch „Fat Kid Wednesdays“ mit ihrem Programm „The Art of Cherry“. Für Jazzfestival-Besucher bekannter ist dagegen der Name Bobo Stenson. Er war bereits Gast in Münster. Auch Louis Sclavis ist mit einem neuen Projekt dabei. Den Schlusspunkt bildet am Sonntag Colin Steele’s Stramash aus Schottland – das emotionale Finale des Festivals.
Frage: Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit gern?
Schmücker: Je nach Stimmung und Situation völlig unterschiedlich – von improvisierter Musik bis zur Oper. Und auch der ein oder andere Hit aus den Charts kann mal genau das Richtige sein….
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48127 Münster
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